Row of white modular shelters installed outdoors with numbered units.

Tenero

Schweiz

Zeltdesign mit hohem thermischen Komfort

A propos

Das Nationale Jugendsportzentrum Tenero CST ist eine Einrichtung des Schweizerischen Bundesamts für Sport und liegt malerisch am Ufer des Lago Maggiore. Es verfügt über 160 verschiedene Sporteinrichtungen und eine umfangreiche Infrastruktur zur Durchführung von Sportlagern und Ausbildungskursen vom Breiten- bis zum Spitzensport. Zum Übernachtungsbereich gehört auch ein Campingplatz mit 700 Schlafplätzen in 35 Universalzelten, der aufgrund der Förderung des Teamspirits sehr geschätzt wird. Innerhalb des vierten Bauabschnitts sollten auch die bisherigen Militärzelte ersetzt werden. Hierfür wurde durch eine interdisziplinäre Kooperation aus Energie-, Tragwerks- und architektonischer Planung sowie dem Input aus dem Zeltbau ein innovatives Zeltdesign geschaffen, das sowohl durch seine Gestaltung, als auch durch seinen thermischen Komfort besticht. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet die High-Tech Zeltmembran Flexlight 1015 mit Low-E Beschichtung.

Im Rahmen der vierten Bauphase zur Sanierung des CST, die im Frühjahr 2023 abgeschlossen wurde, sollte auch der vor einem Jahrzehnt vom Architekten Mario Botta gestaltete Campingplatz mit 35 Zelten und 700 Schlafplätzen neu ausgerüstet werden, da die vorhandene Infrastruktur sowohl vom Komfort, als auch von der Schneelastresilienz her, nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprach. Die neuen Zelte wurde auf die bestehenden Fundamente verbaut. Nur wenige Fundamente wurden zusätzlich neu erstellt, wobei folgende Anforderungen ins Lastenheft geschrieben wurden:

  • Verbesserung von Belüftung, Klimakomfort und Energieeffizienz
  • Ausreichende Schneelast, um einen Abbau in der Winterperiode zu vermeiden
  • Erweiterung von Stauraum und Unterbringungsmöglichkeiten
  • Erhöhung des Aufenthaltskomforts in Form von Sitzgelegenheiten

Entwickelt wurde das Zeltkonzept vom Studio Baserga Mozzetti Architetti aus Muralto in Zusammenarbeit mit Patocchi Sagl Engineering aus Cevio. Zusätzliche Unterstützung erhielt das Vorhaben vom Landschaftsarchitekten Giorgio Aeberli mit dem schrittweisen Austausch und einer Differenzierung des Baumbestands, um die Beschattung der Zelte zu verbessern und gleichzeitig zu einer größeren Artenvielfalt im Sportcampus beizutragen.

Eine umfassende Membranbaulösung

Dass es sich hier bei diesen Zelten um ein Projekt in textiler Architektur handelte, war daran zu sehen, dass nicht einfach nur eine Zelthülle entwickelt werden sollte, sondern Architekt und Tragwerksplaner eine durchgängige konstruktive Lösung mit hohem Gestaltungsanspruch entwickelt haben. Neben der funktionalen Optimierung von Raum und Komfort, sollte für den Endnutzer auch hinsichtlich des Designs ein modernes Ambiente geboten werden, ohne dabei wichtige Aspekte des Campings außer Acht zu lassen, wie Naturerlebnis, Freiraum, Spontanität und Gemeinschaftserlebnis. Die Umsetzung als Membranbauten, also einer individuell geplanten Metallkonstruktion mit Membranhülle brachte viele Vorteile mit sich: zum einen ein minimaler Einsatz an Material und Ressourcen, was einhergeht mit extremem Leichtbau und geringer Umweltbelastung. Zudem überzeugte diese Lösung durch eine höhere Resilienz in Bezug auf Witterungsbedingungen über sämtliche Jahreszeiten (Schnee, Regen, Wind), sowie eine sehr hohe Langlebigkeit und dies bei geringeren Kosten. Bevor man die ganze Serie realisierte, brachte das Spezialunternehmen für Membranbau und modulare Strukturen Bieri Tenta AG zusätzlich seine umfassende Erfahrung im Zeltbau mit ein und fertigte zunächst einen Prototyp, um Funktionalität, Leistung und Konstruktionseffizienz überprüfbar und mit den bisherigen Militärzelten vergleichbar zu machen.

Kühlkonzept für wirksamen Klimakomfort

Die große Herausforderung für das Zeltdesign war eine wirksame Reduzierung des Wärmeeintrags bei sommerlichen Temperaturen und Vermeidung einer Überhitzung der Zelte. Hierzu wurde die Unterstützung von IFEC Ingegneria SA – Ingenieurbüro für Energieeffizienz herangezogen, die mit folgenden drei Maßnahmen dieses Problem in den Griff bekommen wollten:
1.    Ausbildung eines natürlichen Dachbelüftungssystems
2.    doppelwandige Dachkonstruktion aus Zeltgeweben mit Low-E Beschichtung
3.    aufrollbaren Seitenplanen mit vollständiger Öffnungsoption.

Das Doppelstockdach der Zelte besteht aus einer äußeren Hauptmembran und einer Innenmembran, die an den Seiten heruntergeklappt ist und zur vertikalen Seitenwand für die Zelte wird. Der Hohlraum, der zwischen den beiden Membranen entsteht, wird durch Insektenschutzgitter an den unteren Rändern des Steildachs und durch den geteilten First belüftet, der ebenfalls mit Lüftungsgittern ausgerüstet ist. Wirkt nun direkte Sonneneinstrahlung auf die äußere Dachmembran ein, erwärmt sich die Luft im Hohlraum und zieht mittels Konvektion nach außen ab, was einen wichtigen Beitrag zur Zeltkühlung leistet.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Einsatz des Low-E Zeltgewebes Flexlight 1015 der Serge Ferrari Group. Diese High-Tech Membran für modulare Strukturen ist mit einer speziellen Oberflächenbehandlung ausgerüstet, welche die Abstrahlungseffekte aus der Wärmeabsorption der Membran enorm reduziert, indem es einen Großteil zurückreflektiert.  Das Ergebnis ist ein stark reduzierter Wärmeeintrag ins Innere des Zeltes und eine beachtliche Absenkung der Innentemperatur im Vergleich zu konventionellen Zeltbauten. Die Low-E Schichten sind hierzu auf den Gewebeseiten aufgebracht, die dem Dachhohlraum zugewandt sind.

Die Seitenelemente der Längsfassaden wurden mit aufrollbaren Planen ausgerüstet, die eine großflächige Öffnung und natürliche Belüftung der inneren Zelträume ermöglichen. Um den Nachweis für die Leistungsfähigkeit des Prototypen zu erbringen, wurde ein Langzeittest über zwei Monate bei einer durchschnittlichen Tagestemperatur von 22° C realisiert.

Die Messungen am Prototypen ergaben dabei, dass an Tagen mit starker Sonneneinstrahlung die maximale Innenlufttemperatur am First um 20°C und am Boden um 15°C niedriger ausfällt, als in den bisherigen Militärzelten. Ein weiterer positiver Effekt bestand darin, dass die Tendenz zur Bildung von Kondenswasser im Inneren der Zelte während der Frühjahrs- und Herbstmonate deutlich abnimmt. Tatsächlich ist die kritische Periode in den neuen Zelten fast 90% kürzer als in den alten Militärzelten.

Zeltgewebe mit umfangreichem Leistungsspektrum

Für dieses Zeltprojekt wurde die High-Tech Membran Flexlight 1015 mit Low-E Beschichtung der Serge Ferrari Group eingesetzt: ein sandgraues PVC-beschichtetes Gewebe aus hochfestem Polyester-Garn, das zusätzlich Low-E beschichtet und mit einem PVDF-Lack ausgerüstet ist. Dieser sorgt für ein geringes Anschmutzverhalten und die Nanotechnologie dafür, dass sich die Zeltplanen durch Regen und Sonne nahezu selbst reinigen und so einen lang anhaltenden, qualitativ hochwertigen Look behalten. Auch bei der Feuersicherheit überzeugt diese Membran durch ihre Brandklassifizierung Euroklasse B-s2,d0 nach EN 13501-1. Dies bedeutet, dass das Gewebe an der Brandquelle zunächst Feuer fangen kann und so eine Öffnung zum Abzug von gefährlichem Rauch sicherstellt. Gleichzeitig erlischt die Flamme an der Membran nach einiger Zeit durch ihre Schwerentflammbarkeit. S2 bedeutet, dass nur eine mittlere Rauchentwicklung auftritt und d0, dass keine heißen Kunststofftropfen nach unten fallen.

Pluspunkte hinsichtlich Langlebigkeit sind eine spezielle Ausrüstung gegen Schimmelbildung sowie eine „Basic Wicking Behandlung“ mit der die kapillare Wasseraufnahme des Gewebes an den Rändern bei hoher Feuchtigkeit reduziert wird. Die Befestigung der Membranelemente an der tragenden Struktur erfolgt durch angeschweißte Keder, die in die Profile der Tragekonstruktion eingeführt werden. Um ästhetisch ansprechende homogene Oberflächenelemente zu erreichen, erfolgt eine Spannung über Spannschlösser, die bei den äußeren Dachbahnen unterhalb des Firstes und bei den Fassadenbahnen am Fuß der Konstruktion angebracht sind.

Die fünf Bahnenelemente an den Fassaden ermöglichen nicht nur eine natürliche Belüftung des Innenraums durch die aufrollbaren „Jalousien“, sondern lassen auch viel natürliches Licht in den Innenraum, was einen angenehmen Aufenthalt zu jeder Tageszeit ermöglicht. Die gesamte Öffnungsfläche ist durch Insektenschutznetze geschützt.

 

Tragkonstruktion

Das gesamte Tragwerk ist aus Leichtmetallprofilen gefertigt, die in den Dachschrägen durch Querträger miteinander verbunden sind. Die Köpfe und Zugänge zu den Zelten werden über dreieckig auskragende Stahlrohrböcke erreicht, welche mit Querträgern und diagonalen Stahlrohrprofilen einen trapezförmigen Abschluss ausbilden. Dies verleiht dem Zelt nicht nur eine besondere architektonische Form, sondern stabilisiert und versteift die Tragkonstruktion des Zelts. Die Pfosten der Traversen dienen gleichzeitig als Stützen für zehn Bänke, die an den Seiten des Zeltes aufgestellt sind und hier eine integrierte Sitzmöglichkeit bieten.

 

PROJEKTDATEN

Kommission: Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt Bau und Logistik, FBL
Architektonisches Projekt: baserga mozzetti archietti sa, CH-Murlato
Struktureller Entwurf: Patocchi Sagl Ingenieurwesen, CH-Cevio
Engineering, Detailplanung und Ausführung: Bieri Tenta AG, CH-Grosswangen
Zeltmembran: Flexlight 1015 mit Low-E Beschichtung
Bilder: Bieri Tenta AG/marcelo villada ortiz fotografo

Modular textile shelters integrated into a landscaped park with blooming trees.
Modular textile shelters integrated into a landscaped park with blooming trees.
Close-up of roll-up textile sidewalls attached to a metal frame.

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